PDA-Partien

Alles über Schachprogramme und Software für die mobilen Begleiter.

Moderator: bretti

Benutzeravatar
bretti
Beiträge: 281
Registriert: Sonntag 28. März 2010, 19:13
Status: Offline

Re: PDA-Partien

Beitrag von bretti » Sonntag 30. Oktober 2011, 14:42

Besten Dank, Thorsten!

Zur Verifizierung der Spielstärke von SCHACH# habe ich soeben mal 2 Partien gegen HIARCS Chess 13.31 gespielt, von denen die zweite kurios war. SCHACH# spielte beide Partien auf dem iPad1 und HIARCS musste sich mit dem iPhone 3GS bescheiden (Stufe 10s/Zug, so ziehen beide etwa gleich schnell). Zumindest dürften diese Partien auf ungleicher Hardware die Behauptung, dass SCHACH# die stärkste Engine auf iOS habe, bereits "widerlegen" (ganz abgesehen von dem Matt-Bug und dem unten erläuterten Remis-Bug). Gut, ich gebe zu, dass zwei Partien nicht ausreichen, aber mir fehlt - auch in Ansehung einiger weiterer Partien - der Glaube an SCHACH# als stärkster Engine. Meiner Meinung nach liegt die Engine auf Platz 3 hinter HIARCS und Stockfish, vor Shredder.



Die zweite Partie hat eine kuriose Eröffnungsvariante, die zunächst etwas nach "Antischach" aussieht. HIARCS gerät im späten Mittelspiel bei gedrückter Stellung in materiellen Nachteil und das Endspiel mit einem Springer weniger sollte bald verloren gehen. Doch es kam anders: CHESS# spielte sehr zaghaft und machte keine Fortschritte, so dass es auch objektiv schwerer wurde, zu gewinnen. Zu meiner größten Irretation kam es nach 102.-Tb4 als CHESS# mit dem Zug 103. Kg3 Remis nach der 50-Züge-Regel anzeigte. Ich spielte weiter (und war mir sicher, dass das nicht sein konnte, sonst hätte es mir doch auch HIARCS angezeigt?), bis HIARCS 126.-Te4+ anzeigte mit einer Stellungsbewertung von 0.00 und diesen Zug auch spielte. Gut, das war jetzt also das Remis nach der 50-Züge-Regel, doch HIARCS zeigte es nach Ausführung des Zuges nicht an und gab stattdessen nach dem von mir noch eingegeben Zug 127. fxe4 die Partie auf! Eine Fortsetzung erübrigte sich so oder so, also prüfte ich das Remis und stellte beim Prüfen der Notation fest, dass nun (bei korrekter Reklamation) tatsächlich mit Ausführung des 126. Zuges von Schwarz Remis nach der 50-Züge-Regel vorliegt. HIARCS zeigt dies auch an, aber nur, wenn Weiß den Turm nicht schlägt, sondern z.B. 127. Kd1 spielen würde. D.h. die Stellungsbewertung von HIARCS war zutreffend, das Remis müsste aber bereits nach Ausführung des schwarzen Zuges angezeigt werden. Hier liegt eindeutig ein (kleiner) Bug bei HIARCS vor!

Bei CHESS# ist der Bug erheblich "größer", denn die 50-Züge-Regel wird offensichtlich als 50-Halbzüge-Regel missverstanden!

Noch eine Anmerkung zu HIARCS, der in beiden Partien natürlich die deutlich langsamere Hardware hatte: Im Vergleich zur 12er-Version kommt mir die Engine von der Spielweise und Stellungsbewertung unausgewogen, ja sogar schwächer vor. Die Spielweise von HIARCS 12.3 ist mir aus dem PDA-Turnier 2011 gut verinnerlicht, dort besiegte die Vorversion sowohl HIARCS 13 auf Fritz unter Winmobile als auch HIARCS 13 auf dem Revelation überzeugend.

In der ersten der beiden obigen Partie war die Stellungsbewertung in dem Turmendspiel mit Minusbauer ab dem 57. Zug verblüffend: HIARCS zeigte ständig einen kleinen Vorteil für sich an! Auch ein Missverständnis bzgl. des Vorzeichens war hier ausgeschlossen, denn HIARCS hatte Weiß und es wurden kleine Pluswerte bis fast 0,5 angezeigt.

Etliche Züge waren in dieser ersten Partie wenig ambitioniert, z.B. gefällt mir schon 8. 0-0 gar nicht. Viel besser sieht das einige Zeit erwogene 8. Db3 aus. Auch in der zweiten Partie kamen viele schwach anmutende Züge: 10.- a6 ist planlos, 19.- Lc5 nebst 20.-Lb6 und 21.- Lxd4 sieht furchtbar aus, 22.- Tf8 und 23.- b6 sind auch nicht gerade vielversprechende Züge. Auch danach hat Schwarz - zugegeben bereits in schwieriger Stellung - keine Aktivität entfaltet sondern sich schlicht "hinten rein" gestellt, den weißen Freibauer bis nach d7 gelassen und wurde dann verdient austempiert. Mal abgesehen davon, dass CHESS# ohnehin nicht hätte mattsetzen können, weil die Engine kurz vor dem Matt aussteigen würde, hätte CHESS# eigentlich gewinnen müssen. Der "grobe" Remis-Bug bei CHESS# und der "kleine" Remis-Bug bei HIARCS haben wenigstens mein Durchhalten bei dieser obskuren Partie "belohnt".

Ich werd´s mal im Hiarcs-Forum schreiben... Viel Spaß mit den beiden irgendwie doch interessanten Partien!
Gruß, Stefan

Benutzeravatar
EberlW
Beiträge: 36
Registriert: Sonntag 10. Juli 2011, 22:17
Wohnort: Leverkusen - Küppersteg
Kontaktdaten:
Status: Offline

Re: PDA-Partien

Beitrag von EberlW » Mittwoch 2. November 2011, 06:46

bretti hat geschrieben:Hinzuweisen ist auf die beiden sehr interessanten PDA-/Schachcomputer-Turniere 2008 und 2011, bei denen die meisten Partien auch von mindestens einem PDA-Programm stammen:
http://www.pda.schachcomputer.info/html ... nload.html
http://www.pda-schach.eberlw.de/PDA_201 ... nload.html
Der Download für das PDA-Turnier 2011 ist noch nicht ganz vollständig, aber vielleicht ergänzt Wilfried ja diese kleine Lücke gelegentlich und vervollständigt auch auf seiner schönen Seite noch die Turniertabelle für 2011! ;)
Hallo Stefan,

du hast ja Recht - so langsam könnte ich die Sache mal vervollständigen.
Ich habe mir allerdings erlaubt, eine -kurze- Auszeit vom Schach zu nehmen und außerdem hat CB10 beim Anlegen der Datenbanken Murks gebaut, sodaß ich da noch "etwas" Arbeit reinstecken darf. Zum Jahreswechsel steht noch einmal Urlaub an, dann wird es was werden denke ich.

Gruß, Wilfried

Benutzeravatar
bretti
Beiträge: 281
Registriert: Sonntag 28. März 2010, 19:13
Status: Offline

Re: PDA-Partien

Beitrag von bretti » Samstag 12. November 2011, 16:58

So, noch eine Partie von Chess#, diesmal gegen Chess Tiger, der gut aus der Eröffnung kam aber dann im Mittelspiel keinen rechten Plan fand. Chess Tiger spielte auf dem iPad mit 10s/Zug, Chess# auf dem iPhone 3GS mit höchster Spielstufe, das führt dann zu etwas längerer Bedenkzeit, was aber recht exakt 10s auf dem iPad1 entspricht und damit die Vergleichbarkeit herstellt.

Thorsten hat festgestellt, dass die Zeitvorgaben bei Chess# keine Auswirkung auf die Bedenkzeit, die sich die Engine genehmigt, hat. Im Nachhinein erscheint mir dabei sogar "konsequent", dass keine Uhr für Chess# angezeigt wird. Die ganzen "Zeitstufen" sind sozusagen nur "Kontrollstufen" für die Zeit, die sich der Gegner genehmigen "darf" :lol:

Mir wird durch die dann und wann ausgetragenen Partien aber immer klarer, dass es sich in Chess# um eine Robbolito- oder artverwandte Engine handeln muss. Während also Chess Tiger die Eröffnung recht gut spielte (10. Lb1 sicherte Weiß einen recht klaren Vorteil), gefiel von Chess# das frühe Mittelspiel (15.-f6 nebst 16.-e5) und insbesondere das Bauernopfer (22.-Sd4) wendete dann das Blatt langsam zu Gunsten von Schwarz. Interessant war für mich, wie souverän Schwarz errechnet haben muss, dass das Doppel-Damenendspiel (2-2 Damen) forciert gewonnen war. Welcher menschliche Spieler hätte sich im "einfachen" Damenendspiel mit Vorteil Schwarz auf eine solche Variante eingelassen?

Dass ein Matt-Bug zum "Einfrieren" (und somit am Partieende zum Ausstieg von Chess#) führt, habe ich beim Resultat nicht berücksichtigt. Der Matt-Bug ist natürlich ärgerlich, ich habe ihn aber sowohl dem Anbieter geschrieben als auch mehrfach hier und andernorts erwähnt, so dass ich dies zukünftig als "bekannt" voraussetzen werde. Indes sehe ich meine These zur Robbo-Engine bestätigt: Die Anpassung an die GUI dürfte bei Mattmeldungen in der Hauptvariante (auch wenn diese nicht angezeigt wird) zu einem Fehler führen. Wahrscheinlich hängt auch das "Zeitstufen-Problem" damit zusammen, dass der Programmierer eine GUI für eine ihm nicht im Detail bekannte Engine geschrieben hat - soweit meine These dazu.

Gruß, Stefan

Benutzeravatar
bretti
Beiträge: 281
Registriert: Sonntag 28. März 2010, 19:13
Status: Offline

Re: PDA-Partien

Beitrag von bretti » Sonntag 13. November 2011, 18:17

Eine schöne Angriffspartie gelang Chess Tiger (iPhone 3GS) gegen fritz (iPad1) mit langer Bedenkzeit (Chess Tiger 2h/Partie, fritz 3h/60 Züge). Trotz der gewährten Länge genehmigte sich fritz kaum mehr als 20s/Zug. Anscheinend sind die "langen" Bedenkzeiten bei einigen Apps nicht optimal programmiert. Der Tiger nahm sich nach Verlassen der Bibliothek durchaus um 3m/Zug und ließ fritz keine Chance.

Gruß, Stefan

Benutzeravatar
bretti
Beiträge: 281
Registriert: Sonntag 28. März 2010, 19:13
Status: Offline

Re: SCHACH ℠ (Chess Tiger)

Beitrag von bretti » Samstag 12. Mai 2012, 20:08

Hier mal eine 30min-Partie zwischen ChessGenius 3 (iPhone 3GS - pondern aus) und ChessTiger (iPad3):
Gruß, Stefan

Antworten